Zapier vs. n8n: Warum viele Unternehmen auf das falsche Tool setzen – und was Sie stattdessen tun sollten
Zapier ist beliebt, aber oft die teurere Zweitwahl: Warum n8n für deutsche Unternehmen die bessere Lösung sein kann – und wann Zapier dennoch sinnvoll ist. Ein kontroverser Vergleich mit praktischen Empfehlungen für Automatisierung ohne Budget-Fallen.
Zapier vs. n8n: Warum viele Unternehmen auf das falsche Tool setzen – und was sie stattdessen tun sollten
Es ist ein klassischer Fall von „Der Kaiser ist nackt“: Zapier wird in unzähligen Marketing-Blogs als die ultimative Automatisierungslösung gefeiert, während viele Unternehmen – besonders im DACH-Raum – stillschweigend die Rechnung für Features zahlen, die sie gar nicht brauchen. Gleichzeitig existiert mit n8n eine Open-Source-Alternative, die nicht nur kostengünstiger, sondern in vielen Fällen auch flexibler und datenschutzfreundlicher ist. Doch warum setzen so viele Firmen trotzdem auf Zapier? Die Antwort liegt in drei systematischen Fehlern: Marketing-Hype, falsche Priorisierung und die Angst vor Selbsthosting.
Dabei ist die Entscheidung zwischen den beiden Tools keine Frage von „gut“ oder „schlecht“, sondern von Passgenauigkeit. Und hier scheitern viele – oft mit teuren Folgen.
Der Zapier-Effekt: Warum Unternehmen für Luft bezahlen
Zapier hat einen entscheidenden Vorteil: Es ist einfach. Die Oberfläche ist intuitiv, die Integration mit über 5.000 Apps wirkt auf den ersten Blick wie ein Allheilmittel für jede Automatisierungsaufgabe. Doch genau hier beginnt das Problem.
1. Die Kostenfalle: Wenn „Einfachheit“ zum Luxus wird
Zapier folgt einem nutzerbasierten Preismodell, das auf den ersten Blick fair wirkt – bis man realisiert, dass schon einfache Workflows schnell in die höheren Tarife rutschen. Ein klassisches Beispiel:
- Ein mittelständisches Unternehmen nutzt Zapier, um Leads aus einem Kontaktformular in die CRM-Software zu übertragen, Follow-up-E-Mails zu versenden und Daten in eine Tabellenkalkulation zu schreiben.
- Problem: Jeder dieser Schritte zählt als „Task“. Bei 2.000 Leads im Monat sind das schnell 6.000 Tasks – und damit ein Upgrade in den Professional-Tarif (ab 73,50 €/Monat) nötig. Rechnet man zusätzliche Teammitglieder hinzu, steigen die Kosten weiter.
n8n hingegen bietet unbegrenzte Workflows und Ausführungen in der selbstgehosteten Version – und selbst die Cloud-Version ist ab 20 €/Monat deutlich günstiger. Der Clou: Bei n8n zahlt man für Ressourcen (z. B. Serverleistung), nicht für künstlich begrenzte „Tasks“.
2. Datenschutz: Ein unterschätztes Risiko für DACH-Unternehmen
Zapier ist ein US-amerikanisches Unternehmen und unterliegt damit dem Cloud Act. Das bedeutet: Theoretisch können US-Behörden auf Daten zugreifen – ein No-Go für Unternehmen, die mit personenbezogenen Daten arbeiten (z. B. im Gesundheitswesen, Rechtsberatung oder HR).
n8n lässt sich lokal hosten (z. B. auf einem deutschen Server oder in der EU-Cloud), was die Compliance mit der DSGVO deutlich vereinfacht. Für viele deutsche Mittelständler und Behörden ist das ein entscheidender Faktor – der oft erst im Nachhinein auffällt, wenn die erste Datenschutzprüfung ansteht.
3. Die Illusion der „No-Code“-Freiheit
Zapier wirbt mit „Automatisierung ohne Programmierkenntnisse“. Doch spätestens bei komplexeren Workflows (z. B. bedingte Logik, DatenTransformationen oder API-Abfragen mit Authentifizierung) stößt man an Grenzen. Dann heißt es: JavaScript-Code einbauen oder einen Entwickler beauftragen – und plötzlich ist der „No-Code“-Ansatz hinfällig.
n8n bietet hier mehr Spielraum: Mit integriertem JavaScript/TypeScript-Editor und der Möglichkeit, eigene Custom Nodes zu erstellen, lassen sich auch anspruchsvolle Automatisierungen umsetzen – ohne auf externe Tools ausweichen zu müssen.
Warum n8n trotzdem nicht für jeden die richtige Wahl ist
Natürlich hat auch n8n Schwächen – und Zapier ist in bestimmten Szenarien die bessere Wahl. Hier die wichtigsten Ausnahmen, in denen Zapier punkten kann:
1. Wenn Speed über alles geht
Für einfache, einmalige Automatisierungen (z. B. „Neue E-Mail-Anlagen in Dropbox speichern“) ist Zapier die schnellere Lösung. Die vorgefertigten „Zaps“ sparen Zeit – besonders, wenn Sie keine Lust haben, sich mit Workflow-Logik auseinanderzusetzen.
2. Wenn das Team keine Technik-Affinität hat
n8n erfordert ein Mindestmaß an technischem Verständnis, besonders bei der Selbsthosting-Variante. Wer keine IT-Abteilung hat oder sich nicht mit Docker, Server-Konfiguration oder API-Schlüsseln beschäftigen will, ist mit Zapier besser bedient.
3. Wenn spezifische App-Integrationen fehlen
Zapier hat eine größere Bibliothek an vorintegrierten Apps (z. B. Nischen-Tools wie bestimmte Shopify-Plugins oder lokale DACH-Software wie Lexoffice). n8n setzt hier auf Generische API-Anbindungen, was bedeutet: Sie müssen die API-Dokumentation der Zielsoftware selbst lesen und den Workflow manuell konfigurieren.
Die entscheidende Frage: Wie wählt man das richtige Tool?
Die Wahl zwischen Zapier und n8n ist keine Glaubensfrage, sondern eine kalkulierte Entscheidung. Hier die wichtigsten Kriterien für Unternehmen im DACH-Raum:
1. Budget & Skalierung
- Zapier lohnt sich, wenn:
- Sie nur wenige, einfache Workflows benötigen (unter 2.000 Tasks/Monat).
- Sie keine Zeit für Einrichtung und Wartung haben.
- n8n ist die bessere Wahl, wenn:
- Sie mehr als 5.000 Tasks/Monat erwarten.
- Sie kostenintensive Team-Konten vermeiden wollen.
- Sie langfristig skalieren möchten (z. B. mit eigenen Servern).
2. Datenschutz & Compliance
- Zapier ist riskant, wenn:
- Sie mit personenbezogenen Daten (Kundendaten, Patientendaten, Bewerberdaten) arbeiten.
- Sie in einer regulierten Branche (Gesundheit, Finanzen, öffentlicher Sektor) tätig sind.
- n8n ist sicherer, wenn:
- Sie DSGVO-konform hosten müssen.
- Sie keine Daten in die USA übertragen dürfen.
3. Technische Anforderungen
- Zapier reicht aus, wenn:
- Ihre Workflows linear sind (z. B. „Wenn X, dann Y“).
- Sie keine komplexen DatenTransformationen benötigen.
- n8n ist überlegen, wenn:
- Sie bedingte Logik (If-Then-Else), Schleifen oder API-Chaining brauchen.
- Sie eigene Skripte (JavaScript/Python) einbinden möchten.
Praxistipp: Wie Sie ohne Risiko umsteigen können
Viele Unternehmen scheuen den Wechsel, weil sie befürchten, bestehende Workflows neu aufbauen zu müssen. Dabei lässt sich der Übergang schrittweise und ohne Downtime gestalten:
- Parallelbetrieb testen:
- Richten Sie n8n auf einem Testserver ein und bauen Sie einen kritischen Workflow nach.
- Vergleichen Sie die Performance und Kosten über 2–4 Wochen.
- Hybrid-Lösung nutzen:
- Komplexe Workflows laufen über n8n, einfache über Zapier.
- Beispiel: Nutzen Sie Zapier für Standard-Integrationen (z. B. Slack-Benachrichtigungen) und n8n für Datenverarbeitung (z. B. CRM-Bereinigungen).
- Migrationshilfe nutzen:
- Tools wie n8n’s „Zapier-Import“ (experimentell) oder manuelle Dokumentation der bestehenden Zaps helfen beim Umzug.
- Externe Beratung lohnt sich, wenn Sie unsicher sind – besonders bei DSGVO-relevanten Prozessen.
Fazit: Zapier ist nicht „falsch“ – aber oft unnötig teuer
Zapier ist ein hervorragendes Tool – für die richtigen Anwendungsfälle. Doch viele Unternehmen zahlen für Features, die sie nicht brauchen, oder akzeptieren Datenschutzrisiken, ohne es zu merken. n8n ist keine „bessere Zapier-Version“, sondern eine Alternative für Unternehmen, die mehr Kontrolle, Flexibilität und Kostentransparenz wollen.
Die gute Nachricht: Sie müssen sich nicht sofort entscheiden. Testen Sie beide Tools mit einem konkreten Use Case aus Ihrem Alltag – und rechnen Sie nach, was langfristig günstiger und sicherer ist.
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